Die Zukunft der Ausbildung ärztlicher Fertigkeiten

Im Auftrag des Lernzentrums der Charité Berlin wurde von Januar bis Dezember 2012 eine Delphi-Befragung zur Zukunft der Ausbildung ärztlicher Fertigkeiten durchgeführt. Ziel war es, gegenwärtige Ausbildungsinhalte ärztlicher Fertigkeiten auf ihre zukünftige Bedeutung zu untersuchen. Daraus werden nun Empfehlungen für ein Curriculum für studentische Peer-Teacher abgeleitet.

Zielsetzung

Als Teil des Forschungsprojekts „Die Lehrer von Morgen: Entwicklung eines generischen, modularen Curriculum zur Ausbildung studentischer Peer-Teacher“ des Lernzentrums der Charité Berlin untersucht die Studie die Bedeutung der gegenwärtigen Ausbildung ärztlicher Fertigkeiten für die Praxis von Absolventen. Ziel ist es, deren zukünftige Relevanz durch Experten bewerten zu lassen. Welche Fertigkeiten sind für die Arbeit von Ärzten in den nächsten 10-15 Jahren von Bedeutung? Daraus sollen dann Empfehlungen für die Ausbildung entwickelt werden.

Projekt „Die Lehrer von Morgen“

Die Studie ist Teil des Projektes „Die Lehrer von Morgen“ des Lernzentrums der Charité Berlin. Dieses dient der Entwicklung eines Curriculum zur Ausbildung studentischer Peer-Teacher. Aufbauend auf die im Lernzentrum vorhandene Erfahrung mit peer-assisted-learning (PAL) soll eine studienbegleitende und integrierte Ausbildung konzipiert und umgesetzt werden.

Zukunft bauen

"Die eine Generation baut die Straße, auf der die nächste fährt."

Aus China

Ablauf der Forschungsarbeit

Die Forschungsarbeit wurde im Januar 2012 begonnen. Zunächst wurde eine Literaturanalyse zu Veränderungen im Gesundheitswesen und zu Ausbildungskonzepten von ärztlichen Fertigkeiten durchgeführt. Daraufhin wurde mit 15 Experteninterviews die Basis für diese Delphi-Studie gelegt. Ab Juni 2012 erfolgte die Durchführung der Delphi-Studie. Danach wurden die Daten ausgewertet und zusammengeführt.

Forschungsablauf

Die Delphi-Methode

Eine Befragung in zwei Runden

Für die Studie wurde die Delphi-Methode eingesetzt. Diese wird in der empirischen Forschung zur Befragung von Experten über mehrere Runden eingesetzt. Sie dient der Gruppenkommunikation sowie der Beurteilung inhaltlicher Fragestellungen durch Experten. Durch den Einsatz mehrerer Befragungsrunden kann das abgefragte Wissen der gesamten Gruppe dargestellt und die Validität der Ergebnisse erhöht werden.


Einsatz der Delphi-Methode

Expertenmeinungen einholen

In der Zukunftsforschung wird die Delphi-Methode als Mittel zur Ideenaggregation, zur Bestimmung von Expertenmeinungen über zukünftige Entwicklungen und zur Konsensbildung verwendet. In diesem Projekt wurde die Delphi-Methode mittels einer Online-Datenerhebung zur Ermittlung von Expertenmeinungen zur zukünftigen Relevanz bestimmter ärztlicher Fertigkeiten eingesetzt.


Beteiligte Experten

Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen

An der Studie waren als Experten Ärzte aller Fachrichtungen beteiligt, die im stationären oder ambulanten Bereich Patienten versorgen, die Studierende theoretisch und praktisch ausbilden und sich für die Zukunft der Versorgung und Ausbildung in der Medizin interessieren.


Teilnehmer der Studie

Experten aus vielen Bereichen

Insgesamt wurden rund 8000 Ärztinnen und Ärzte zur Teilnahme an der Studie eingeladen. An der ersten Befragungsrunde haben über 650 Experten teilgenommen, an der zweiten Runde haben rund 300 Experten teilgenommen.


Leitfragen der Studie

Die Zukunft der ärztlichen Fertigkeiten

Die Leitfragen waren:

  • Wie wirken sich Megatrends auf die Ausbildung ärztlicher Fertigkeiten aus?
  • Welche ärztlichen Fertigkeiten werden wichtiger werden?
  • Welche ärztlichen Fertigkeiten werden an Bedeutung verlieren?
  • Gibt es Entwicklungen im medizinischen Alltag, die völlig neue Fertigkeiten erfordern?

Auswertung

Zukunftsthesen und Lernziele

Beide Befragungsrunden sind abgeschlossen. Nun werden die Daten ausgewertet. Ziel ist es, gegenwärtige Ausbildungsinhalte ärztlicher Fertigkeiten auf ihre zukünftige Bedeutung zu untersuchen. Daraus werden Empfehlungen für ein Curriculum für studentische Peer-Teacher abgeleitet.

Trends im Gesundheitswesen

In unserer Studie haben wir die Experten nach Veränderungen im Gesundheitswesen gefragt. Dazu haben wir Thesen aufgestellt, wie der Arztberuf im Jahr 2025 aussehen könnte. Die Experten konnten diese Thesen dann in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens einschätzen. In der zweiten Befragungsrunde wurden die Experten um eine Einschätzung gebeten, wie sich der Trend auf die Ausbildung auswirkt und welche Veränderungen nötig sind. Sehen Sie hier ausgewählte Ergebnisse.


Patienten mit Demenz

n=626

Aufgrund des demographischen Wandels besitzen spezielle Kenntnisse und Fertigkeiten im kommunikativen Umgang mit an Demenz erkrankten Patienten einen erhöhten Stellenwert für alle Fachbereiche der Erwachsenenmedizin im Jahre 2025.

In der ersten Befragungsrunde schätzten 44% diese These als sehr wahrscheinlich ein. Weitere 44% gaben an, sie sei wahrscheinlich. 7% der befragten Experten gaben an, diese Entwicklung sei eher unwahrscheinlich. 2% halten diese These für nicht wahrscheinlich.

Demenz

"Kontaktängste mit Dementen und ihren Angehörigen müssen abgebaut werden. Eine Sensibilität für deren Bedürfnisse muss geschaffen werden."

Kommentar eines Teilnehmers der Studie

"Dementielle Erkrankungen sollten bereits heute einen größeren Raum in der Ausbildung einnehmen - wie man mit diesen Patienten umgeht und welche ethischen Herausforderungen an die Ärzte bestehen."

Kommentar eines Teilnehmers der Studie

"Der Umgang mit Demenzkranken aber auch generell die geriatrische Medizin muss in der Lehre einen höheren Stellenwert erreichen."

Kommentar eines Teilnehmers der Studie

Fernüberwachung

n=626

Fernüberwachung von Patienten, Konsultationen über Video-Telefonie und Übertragung von Laborwerten durch den Einsatz von Internet und Smartphone sind im Jahr 2025 akzeptiert und werden bei der Mehrheit der Patienten eingesetzt.

Wir haben nach dem Einsatz von Video-Telefonie, dem Internet und Smartphones zur Fernüberwachung von Patienten gefragt. 39% halten dies im Jahr 2025 für sehr wahrscheinlich, 37% für wahrscheinlich. 18% sind der Meinung, dies sei eher nicht wahrscheinlich, 3% sagen, diese Entwicklung sei unwahrscheinlich.

Fernüberwachung

"Soziale Kompetenz bei der Kommunikation mit Patienten über das Internet muss erlernt werden."

Kommentar eines Teilnehmers der Studie

"In der ärztlichen Ausbildung sollte ein kleiner Kurs von Ingenieuren, Biomedizinern und Technikern implementiert werden, der die Möglichkeiten zukünftiger Zusammenarbeit beleuchtet und darstellt."

Kommentar eines Teilnehmers der Studie

"Der wesentliche Punkt der Arzt-Patient-Beziehung ist der persönliche Kontakt. Dieser kann durch technische Hilfsmittel unterstützt aber nie ersetzt werden."

Kommentar eines Teilnehmers der Studie

Arzt als Gesundheitsmanager

n=651

Der Arzt im Jahr 2025 ist ein Gesundheitsmanager, dessen Ausbildung um grundlegende Kenntnisse der Organisation und Betriebswirtschaftslehre erweitert werden müssen.

Wir haben nach der Bedeutung von Kenntnissen der Organisation und Betriebswirtschaftslehre für den Arztberuf gefragt. Die meisten Experten stimmen dieser These zu. 32% halten diese für sehr wahrscheinlich, 48% für wahrscheinlich. Nur 5% der Experten halten diese Entwicklung für nicht wahrscheinlich. Insgesamt haben 651 Ärztinnen und Ärzte abgestimmt.

Gesundheitsmanager

"Diese Ansätze sind weder in der Approbationsordnungsnovelle beinhaltet noch in modernen Curricula für Medizin in Deutschland und sollten deshalb in Bälde dort Einzug halten."

Kommentar eines Teilnehmers der Studie

"Bessere Integration wirtschaftlicher Fragestellungen in die medizinische Ausbildung, jedoch gleichzeitig Förderung des ethischen Berufsverständnisses in Abgrenzung zur rein betriebswirtschaftlichen Herangehensweise."

Kommentar eines Teilnehmers der Studie

"Es müssen die Arbeitsstrukturen entsprechend angepasst werden, um jungen Ärzten den Schritt vom Studium zum Berufsleben zu erleichtern und das Erlernen organisatorischer Abläufe strukturiert zu ermöglichen."

Kommentar eines Teilnehmers der Studie

Auftraggeber

Der Auftraggeber dieser Studie war das Lernzentrum der Charité Berlin. Das Lernzentrum der Charité Berlin ist ein Ort, der Studierende zum Lernen einlädt. Dort entscheiden Studierende selbstbestimmt, was und in welcher Form sie lernen. Dabei können sie auf umfangreiche Lern- und Trainingsressourcen zurückgreifen. Auch der praxisnahe Unterricht von Studierenden und Fort- und Weiterbildungen finden im Lernzentrum statt. Vor allem Studierende des Modellstudiengangs Medizin erlernen hier ärztliche Fertigkeiten und den kommunikativen Umgang mit Patienten.

Zukunft bauen

"Die eine Generation baut die Straße, auf der die nächste fährt."

Aus China

Kontakt

Verantwortlich für die Studie waren Nicole Ambacher, Sascha Dannenberg und Daniel Knapp. Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen zur Studie oder dieser Webseite haben, können Sie uns gerne kontaktieren.

info@arztbefragung.de

Nicole Ambacher

Nicole Ambacher hat Zukunftsforschung im Masterstudiengang an der Freien Universität Berlin studiert. In diesem Projekt war sie für die methodische Konzeption und die Durchführung und Auswertung der Experteninterviews verantwortlich. Besonderes Interesse hat sie an der Gestaltung von Strategie- und Innovationsprozessen mit Methoden der Zukunftsforschung im Gesundheitswesen. Sie arbeitet als freiberufliche Zukunftsforscherin in Berlin.

Sascha Dannenberg

Sascha Dannenberg studierte Zukunftsforschung an der Freien Universität Berlin. Sein Forschungsinteresse gilt gesellschaftlichen Transformationsprozessen, soziokulturellen Einflüssen auf die Konstruktion von Zukunftsvorstellungen und deren Handlungsrelevanz sowie methodologischen Fragen der Zukunftsforschung. Im Team war er für die methodische Konzeption, die Expertenakquise sowie die Koordination und Kommunikation mit den Projektpartnern zuständig.

Daniel Knapp

Daniel Knapp ist Diplom-Ingenieur der Informatik. Er war im Team für die methodische Konzeption, die Auswertung der Experteninterviews und die technische Umsetzung verantwortlich. Sein Schwerpunkt ist die Telemedizin und er interessiert sich für die Möglichkeiten der Informationstechnologie bei der Patientenversorgung. Er arbeitet als freiberuflicher Zukunftsforscher in Berlin.

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Nicole Ambacher
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